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Sonstiges

Als ich am 28. Dezember 1941 auf die Erde kam, sagte eine Stimme zu dem Kind: „Was willst du eigentlich hier?" Obwohl es ein Sonntagskind war, hatte es kein selbstverständliches Lebensrecht, sondern musste es sich immer wieder neu erarbeiten. Der Krieg machte das Kind zu einem Kriegskind, und es verinnerlichte die Parole „Reiß dich zusammen!"

Heute erscheint es mir gut, mit einer Frage in die Welt gestellt worden zu sein, denn sie verlangte nach Antwort, trieb mich stetig weiter, konfrontierte mich mit der Bandbreite des Lebens, ließ mich in viel Dunkelheit schauen, schonte mich nie, bürdete mir Lasten auf, unter deren Bürde ich oft nach Luft schnappte. Aber auf diese Weise formte mich das Leben.

„Was willst du hier?" Diese Frage verband sich stets mit der anderen: „Was will das Leben von dir? Was ist dran in dem Abschnitt meiner Lebenszeit, in dem ich mich befinde?" Immer galt es, den eigenen Standort zu bestimmen, als junge Dorflehrerin im kleinen Odenwald, als jung verheiratete Ehefrau, dann als Mutter einer Tochter und eines Sohnes.

Was ist dran? Wenn diese Frage sich stellt, gibt es oft unvernünftig erscheinende Entscheidungen, weil das Leben eine Weiche anders stellt, ob ich nun will oder nicht. Spüren, was dran ist, einen Riecher entwickeln für die Sprache, in der sich Leben ausdrückt, das hat mich immer interessiert. Mut und Neugierde sind gute Wegbegleiter in solchen Phasen, aber auch Standfestigkeit den eigenen Gefühlen gegenüber. Was will das Leben von mir? Die Antwort kam immer aus dem Bauch.

 Seit vielen Jahren male ich mit Acrylfarben; manchmal mische ich wasserlösliche Ölfarben dazu. Am liebsten male ich auf Holz, denn die Struktur des Holzes stimuliert den Pinsel. Malend drücke ich inneres Erleben aus. Noch ehe ich weiß, was es ist, habe gelernt, diesem spontanen Ausdruck zu vertrauen, die Bilder zu verfeinern, bis sie stimmen. Erst wenn das Innen mit dem Außen korrespondiert, bin ich im Bilde.

In solchen Prozessen steckt viel Freiheit. Jedes Bild ermöglicht einen Neuanfang. Im schöpferischen Akt mit Pinsel und Farbe gebe ich Antwort auf die Frage: Was willst du eigentlich hier? Sich selber auf die Spur kommen, mit sich im Dialog sein, sich antreiben lassen von den Wandlungskräften seelischer Prozesse.

Das Malen an der Staffelei braucht das Alleinsein. Daneben gibt es das Malen in einer Gruppe, die ich leite. Oft ist ein Märchen Thema des gemeinsamen Malens. Erleben, wie nach einer Weile innerhalb der Gruppe die Stimmung sich verändert, weil „es nun malt", Leichtigkeit und Animiertheit sich breit machen. Sich in der Struktur des Märchens sicher fühlen, ausdrücken können, was in der Seele nach außen möchte. Sehen und von anderen gesehen werden, das tut gut.

Zum Malen kommt die Arbeit am Speckstein dazu. Wenn der Stein lebendig wird, beim Feilen von außen nach innen seine Gestalt freigibt, wird viel Energie freigesetzt. So wirkt die Arbeit am Speckstein vitalisierend und harmonisierend.

Was sich im Bild ausdrückt, fließt weiter in die Sprache, denn erst dann ist es eindeutig. Das Schreiben wurde mir zur Aufgabe. Ich liebe die Tage, wenn die Thematik zu einem neuen Buch mich packt, aus der Dynamik sich Worte und Sätze formen, die deutlich machen, um was es nun geht. Das sind glückliche Momente im schöpferischen Prozess des Schreibens.

Und dann die spannenden Tage, wenn ein neues Buch auf den Markt kommt, es liebevoll begleiten, dafür sorgen, dass es bekannt wird und seinen Weg geht. Bei Veranstaltungen mit Menschen zusammentreffen, die mir zuhören, in ihre Gesichter schauen, das Echo wahrnehmen. Miteinander ins Gespräch kommen. Sagen können, was dran ist.

Mit einem Sack voller neuer Eindrücke und Erfahrungen wieder gerne nach Hause kommen. In der Küche sitzen, Musik hören, ausschnaufen, sich von einem Lied leiten lassen, mitsingen, weil es gut tut. Mit den fünf Enkeln telefonieren, an ihrem Leben teilnehmen, von ihrer Kraft mich anstecken lassen. Lange Telefonate mit meiner Schwester führen, hören, was sie denkt. Mich mit meinem Mann austauschen, erzählen, wie es war. Von den erwachsenen Kindern hören, an der Dynamik ihres Lebens Anteil haben. In der Vielfalt der Aktivitäten mich nicht vergessen. Mich der Menschen, die ich mag, die mich mögen, immer wieder vergewissern. Je älter ich werde, um so kostbarer sind die Beziehungen zu Freunden und Freundinnen. Im Abenteuer des Älterwerdens nicht vergessen, dass immer noch etwas kommt, alles im Fluss ist, es kein Ende gibt.

      

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Stand: April 2015