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"Wenn Papa im Himmel ist"

Gertrud Ennulat gab in Eichstetten Tipps, wie Erwachsene trauernden Kindern helfen können
(Badische Zeitung vom Mittwoch, 12. Februar 2003)

 EICHSTETTEN (gtr). Der Verlust eines geliebten Menschen trifft schon Erwachsene sehr hart. Doch wie trauern Kinder, wenn der Papa nicht mehr zurückkommt oder die Oma bei den Engeln ist ? Und wie können die Familie und Freunde Kindern, die trauern, helfen ? Tipps hierzu gab die Pädagogin Gertrud Ennulat in ihrem Vortrag im Eichstetter Schwanenhof. Sie weiß: Jedes Kind trauert anders und braucht dabei eine einfühlsame Begleitung.
 
Auf Einladung der Hospizgruppe war die Freiburgerin Gertrud Ennulat nach Eichstetten gekommen. Zu Beginn ihres bewegenden Vortrags, der eigentlich mehr ein offener Dialog mit den zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörern war, erzählte Gertrud Ennulat, wie sie der Tod ihres kleinen Bruders - als sie selbst fünf Jahre alt war - und die Tatsache, dass sie als Kind nicht richtig um ihn trauern konnte, dazu bewegte, "sich als erwachsene Frau dem trauernden Kind zuzuwenden".
Bis heute sei oftmals der Irrglaube verbreitet, Kinder würden den Tod nicht verstehen oder ihn ganz schnell wegstecken, informierte die Pädagogin: "Sie verhalten sich in unseren Augen nicht wie trauernde Kinder." Doch Trauer könne bei Kindern viele Ausdrucksformen finden, Tränen seien da nur die "ganz, ganz großen Signale". Durch Stille, Abwehr oder Aggression, aber auch betonte Coolness oder sogar Witzeleien zeigen Kinder ihre Trauer. Dies gelte es für Betreuende auszuhalten, den Kindern solle erklärt werden, dass ihr Verhalten, das für sie selbst oftmals so unverständlich ist, ganz normal sei.
Erwachsene, verdeutlichte Gertrud Ennulat, trauerten kontinuierlicher als Kinder: "Erwachsene waten durch einen Fluss der Trauer, Kinder springen immer wieder in Trauerpfützen." Eine lang anhaltende Trauer könne ein Kind gar nicht aushalten, allerdings dauere es so länger, bis die Trauer abgeschlossen sei. Anders als Erwachsene kennen Kinder das Gefühl der Trauer noch nicht. Sie sind deshalb immer wieder darauf angewiesen, über die Trauer sprechen zu können. Und man sollte den traurigen Erfahrungen, die Jungen und Mädchen machen, mit positiven Gegenerfahrungen begegnen.
"Kinder sind sehr konkret", stellte Gertrud Ennulat fest. Daher sei es wichtig, dass Kinder den Ablauf bei einem Todesfall genau mitbekommen, um Bild für Bild zusammensetzen zu können. Dies beginne beispielsweise schon, wenn die Oma im Krankenhaus liege und sicher sei, dass sie sterben werde.

Keine Furcht vor dem Leichenschauhaus

Die Kinder sollten in die Vorbereitung der Beerdigung miteinbezogen werden, sogar ein Besuch im Leichenschauhaus schade nicht: "Kinder haben keine Berührungsängste mit dem Tod", machte Gertrud Ennulat klar und zitierte ein Kind, dass seine Großmutter im Sarg sehen durfte und froh war: "Omi hat doch schön weich gelegen."
Wenn die Kinder es wollen, sollten sie unbedingt an der Beerdigung teilhaben, forderte Gertrud Ennulat, wenn möglich sogar am Zeremoniell beteiligt werden. Sei der Schmerz der Eltern selbst so groß, dass sie sich nicht um ihr Kind kümmern können, könnte sich jemand aus dem Verwandtenkreis dem Kind bei der Beerdigung annehmen. Den Kindern, mahnte Gertrud Ennulat an, sollten die Vorgänge kindgerecht erklärt werden, ansonsten würden sie damit beginnen, die offenen Fragen in ihrer eigenen Fantasie zu klären.
Überhaupt machten sich Kinder viele Gedanken. Beispielsweise darüber, wo den nun der Verstorbene sei. "Da sind meistens schon Vorstellungen da." Erwachsene sollten mit den Kindern in diese Vorstellungen einsteigen. Ob als Stern oder als Engel, die Seele eines Verstorbenen brauche einen festen Platz. Vor allem auch einen festen Platz im Inneren der Kinder. So sei es beispielsweise nicht falsch, den Tisch weiter für den Verstorbenen zu decken, wenn und so lange die Kinder das wünschen.
Die Kinder sollten auch miteinbezogen werden, was mit Gegenständen, die dem Verstorbenen gehörten, passiert, zum Beispiel was aus dem Zimmer des verstorbenen Bruders werden soll. "Kinder brauchen Sicherheit", betonte Gertrud Ennulat. Sie sollten im Trauerfall ernst genommen werden, Authentizität sei gefragt.

Viele Fragen konnten an diesem Abend mit Gertrud Ennulat, deren neues Buch "Kinder trauern anders" im April erscheint, geklärt werden. Doch da das Thema Kinder und Trauer so komplex und so vielfältig ist, sollten sich Eltern auch nicht scheuen, die professionelle Hilfe eines guten Kindertherapeuten anzunehmen. Denn eines steht für Gertrud Ennulat fest: "Das Vertrauen der Kinder in die Welt hat durch den Tod einen großen Riss bekommen."


Trauernden Kindern richtig zu helfen, dabei hilft Gertrud Ennulat. Der Kontakt zu ihr kann unter www.ennulat-gertrud.de geknüpft werden

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Stand: April 2015