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 Meine Gedichte

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Anpassungsübung

Neues will Gestalt werden.
Veränderte Gegebenheiten
wirken in mir.
Die Grammatik des Neuen
verlangt nach einer neuen Sprache,
will meine Sätze neu einkleiden.

Du darfst,
nicht mehr: du musst.

Noch ist diese Sprache
mir fremd.
Wo kann ich sie lernen?
Grammatik des Herzens?
Syntax der Seele?

Mein Zug fährt ab auf Bahnsteig drei.
Ich werfe alte Worte,
Leerformeln,
Lauthülsen,
Buchstabenleichen
in den Papierkorb.
Er quillt über
von alten Festschreibungen.
Zerknülltes Papier,
vom Wind
auf die Gleise gewirbelt.

Mein Zug fährt ab auf Bahnsteig drei.
Das Vokabelheft
liegt auf meinem Schoß.
Ich höre mich ab.
 

Du, wir halten die Zeiger an!

Manchmal
bleiben die Zeiger
einfach stehen,
machen 100 Minuten
zu einer kleinen
Ewigkeit.

Was hält sie an?
Ein Lächeln,
ein Blick,
eine Geste,
die im Raum
sich ausbreitet,
ihn füllt
vom Boden bis zur Decke.

Dann hat das Außen
keine Chance.

Du, wir halten Die Zeiger an!
 

Es ist eine Zeit

Es ist eine Zeit,
welche die Narben der Gewalt freilegt.
Schau sie Dir an,
sagt das Leben,
spüre sie
noch einmal,
immer wieder,
immer wieder.

Es ist eine Zeit,
in der klar wird,
es gibt keine Erlösung.
Sisyphus rollt den Stein.

Es ist eine Zeit,
in der glasklarer Durchblick
die Fassaden durchdringt.

Und doch
ist es die Zeit,

in der eine Rose erblüht.
Niemand hindert sie .
 

Wenn das Leben rund wird

Wenn das Leben rund wird,
sind die eisernen Schuhe
durchgelaufen,
die sieben mal sieben Meilenstiefel
zu klein geworden.

Wenn das Leben rund wird,
hat das Wünschen geholfen,
sind die Guten im Töpfchen,
die Schlechten im Kröpfchen,
zeigt sich im Dreck
das Gold,
sitzt die Taube
am Fenster
und will
neue Weiten
erschließen.
 

Einhorn

Plötzlich steht es neben mir -
zart und schön.
Anmutig und kraftvoll
bewegt es meine Seele.

Einhorn
meines Gartens
Grenzenüberwinder.

Ich hatte zu viel
an mich gedacht
und fast vergessen,
dass Einhörner
voll Kraft
der Verwandlung sind.
Wo sie springen,
blühen die Träume
und tragen Frucht.

Über die Brücke
treibt mich das Einhorn.
Über die Brücke
muss ich barfuss gehen,

Sehenden Fußes
mit dem Einhorn,
es ist da,
seit die Welt sich dreht.

 

Hans mein Igel

Als Hans mein Igel
aus seiner Stachelhaut schlüpfte,
wehte ein kalter Wind.

Er war durch das Loch
seiner Kindheit geschlüpft.

Hoch auf
lodert das Feuer,
verzehrt die Stacheln.

Schön ist er geworden,
richtig zum Liebhaben.


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Stand: April 2015